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„Das Europa, das wir uns wünschen“


Gemeindepartnerschaft Freihalder und Arser festigen ihre Brücke der Freundschaft

Von Jürgen Bigelmayr

 

Freihalden „Ich fühle mich so wohl in Freihalden, am liebsten würde ich hier ein Haus kaufen.“ Pfarrer Olivier Günst-Horn beschlich Wehmut, als er sich am Sonntag von seiner Gastfamilie verabschiedete.

Die Abschlussmesse der viertägigen deutsch-französischen Partnerschaftsbegegnung von Freihaldern und Arsern hatte er  kurz zuvor mit Pfarrer Monsignore Wolfgang Miehle unter freiem Himmel auf dem Pfarrer-von-Ars-Platz zelebriert. Die Geistlichen knüpften dabei an das Leitwort des parallel stattfindenden Deutschen Katholikentages an: „Mit Christus Brücken bauen“.

Das taten die Bürger aus Freihalden und ihre 58 Gäste aus Ars – über die Grenzen von Nationalität, Sprache und Kultur hinweg. Die zwischenmenschlichen Brücken, die seit offiziell 38 Jahren bestehen, wurden vor dem runden Jubiläum, das in zwei Jahren ansteht, nochmals gefestigt.   

Beide Komitee-Vorsitzende stellten dabei beim Festabend ihre Gemeindepartnerschaft in den europäischen Kontext. Danièle Boussand sagte, durch Städte-/Gemeindepartner-schaften „entstehen Ausgewogenheit, Zurückhaltung, Verständnis, Achtung und der gegenseitige Respekt“. Diese Werte seien „unentbehrlich für die Konstruktion des Europa, das wir uns wünschen“.

Ihr Freihalder Pendant, Jürgen Bigelmayr, hatte zuvor ein flammendes Plädoyer für ein „Europa der Bürger“ gehalten: „Wir dürfen Europa nicht den Konzernen, Finanzjongleuren und Märkten überlassen. Wir dürfen nicht zusehen, wie es von Politikern, Technokraten und Bürokraten im Klein-Klein der Paragraphen zerredet und geschreddert wird.“

Es waren nachdenkliche und aufrüttelnde Töne, die sich mit der Fröhlichkeit der Darbietungen der Musikkapelle Freihalden-Oberwald-bach und der Showeinlage mischten, die sich die Freunde aus Ars ausgedacht hatten. Im lustigen Quiz zur Fußball-WM traten Frankreich (Ars) und Deutschland (Freihalden), beide angefeuert von Cheerleader-Trios, gegeneinander an. Da es nach der Fragerunde unentschieden stand, kam es zum Elfmeterschießen: Auch dabei fand sich kein Sieger. So trennte man sich – wie es sich unter Freunden schickt – schiedlich-friedlich remis.

Das touristische Programm gefiel ebenfalls. Am Freitag ging’s nach Neuburg/Donau, wo die 94 Teilnehmer der Führungen durch die Flamen-Galerie und die Altstadt ins Staunen über die Schönheiten der Residenzstadt der „Jungen Pfalz“ gerieten.

Nach dem Mittagessen im Neuburger Stadtteil Bergen besichtigte die Besuchergruppe die dortige Wallfahrtskirche „Heilig Kreuz“, die bis ins Jahr 976 zurückgeht. Ein Spaziergang im Blumenpark von Dehner in Rain am Lech rundete den Ausflug ab.

Auch für die Jugendlichen war einiges geboten. Am Freitag nach der Rückkehr aus Neuburg zog sich ihre Party mit Grillen und Lagerfeuer bis in die späte Nacht hinein. Am darauf folgenden Vormittag konnten denn einige ihre Augenringe nicht kaschieren, als es zum Klettern in den „Sparkassendome“ nach Neu-Ulm ging. Doch, als es galt, die 18 Meter hohen, künstlichen Wände in dem topmodernen Kletterzentrum des Deutschen Alpenvereins zu erklimmen, waren alle wieder hellwach. Das zweistündige Schnupperklettern stimulierte die Glückshormone.

Solche altersgerechten Attraktionen sollen mithelfen, mehr Jugendliche und junge Erwachsene für die Partnerschaft zu begeistern. Denn auf „die Jungen“ komme es in der Zukunft an, betonte der neue Bürgermeister von Ars, Richard Paccaud, um in Gegenwart seines Amtskollegen Hans Reichhart  anzufügen: „Wir haben wunderbare Momente erlebt in der Gemeinschaft, die wir mit ihnen verbracht haben.“

Zum Dank schenkte das Arser Komitee Freihalden zwei Setzlinge zum Einpflanzen: eine Magnolie und ein Rhododendron. Zierden für die Brücke der Freundschaft.


Bildunterschrift:

Jede Menge Spaß hatten die Kinder, Jugendlichen und jung gebliebenen Erwachsenen beim gesicherten Klettern im Rahmen der Gemeindepartnerschaft Freihalden – Ars im „Sparkassendome“ in Neu-Ulm. 

Foto: Jürgen Bigelmayr