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Eine Begegnung im Geiste Eugen Roggs

Gemeindepartnerschaft: Arser überraschen Besucher aus Freihalden mit Gehwegtaufe auf den Namen des verstorbenen Begründers ihrer Freundschaft

Ars/Freihalden Das Beste hoben sich die Gastgeber in Ars bis zum Schluss auf. Eine große Überraschung machte den viertägigen Aufenthalt für die 54 Besucher aus Freihalden endgültig zu einem unvergesslichen Erlebnis. Vor allem für Angelika RoggBigelmaier und ihre Familie.
Sie war sichtlich gerührt, als die französischen Freunde den Fußgängerweg entlang des im Zentrum von Ars neu erbauten Laden und Wohnkomplexes „Les Clematites“ nach ihrem verstorbenen Vater, dem Begründer der Gemeindepartnerschaft (Jumelage) ArsFreihalden, in „Passage Eugen Rogg“ benannten.
Angelika RoggBigelmaier durfte – nur wenige Schritte von der ortsprägenden Basilika entfernt – das Namensschild und das darunter angebrachte Porträt ihres Vater enthüllen. Dabei erklang aus dem Hintergrund die Europahymne, Beethovens „Freude schöner Götterfunke“. 
Ars’ Bürgermeister Patrick Duvivier bezeichnete vor etwa hundert Bürgern der befreundeten Dörfer den Taufakt auf den Namen des „Friedensmenschen Eugen“ als Erneuerung des Verbrüderungseids, den Arser und Freihalder vor 33 Jahren einander geschworen hatten. 
Ohne zu wissen, dass Eugen Rogg posthum kurz vor der Rückreise der Freihalder Delegation am Sonntagmittag eine solch große Ehre zuteil werden würde, lag der von ihm verkörperte Geist von Versöhnung, Verständigung und Freundschaft schon die drei vorangegangenen Tage über dem Wiedersehenstreffen nach einem Jahr.
Am Freitag, dem traditionellen Ausflugstag, fuhren Arser und Freihalder mit zwei Bussen in die Bresse, eine Hügellandschaft am Rande des Mittelgebirges Jura, wo sie zunächst das Bauernhofmuseum in St. Etienne du Bois besichtigten. Beim Anblick der alten bäuerlichen Maschinen und Handwerkszeuge oder einer Schuleinrichtung mit Katheder, Bänken und Tintenfässern von Ende des 19. Jahrhunderts, die auch während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch üblich war, fühlte sich so mancher ältere Besucher in seine Kindheit zurückversetzt. Die DéjàvuErlebnisse äußerten sich in Ausrufen wie: „Weißt du noch ...!?“ oder „Das kenne ich auch noch!“.
Im Bauernhofmuseum erfuhren die Gäste auch, dass die Bewohner der Bresse früher als Gelbbäuchler geneckt wurden, weil sie sich hauptsächlich von Mais und Maisgerichten ernährten. Auch die berühmten Bressehühner wurden mit Maismehl gefüttert.
Wie dieses Maismehl hergestellt wurde, das bekam die deutschfranzösische Gästegruppe dann am Nachmittag in einer unter Denkmalschutz stehenden Mühle in Montfleur vorgeführt, deren Anfänge bis ins Mittelalter zurückreichen. Die Mühle ist seit ihrer umfassenden Restaurierung und Umwandlung in ein Museum seit 1998 wieder in Betrieb.
Am Samstagvormittag machte man noch einen Abstecher in das nicht weit von Ars gelegene, heute rund 7000 Einwohner zählende, malerische Städtchen Trévoux, das von 1560 – 1762 ein souveränes Fürstentum war und erst dann an Frankreich überging. Trévoux wurde über viele Jahrhunderte wirtschaftlich vor allem von der blühenden Fädenproduktion aus Silber, Gold und anderen (Edel)Metallen geprägt. Die Fäden aus Trévoux fanden vor allem als Veredelungselemente in der Seidenindustrie Lyons Verwendung. Sie wurden bis ins 19. Jahrhundert hinein mit Hilfe eines mechanischen, flaschenzugähnlichen Großgeräts namens Argue produziert. An einem Replikat, das aufgrund der Beschreibung in der berühmten Encyclopédie von Diderot und D’Allembert originalgetreu nachgebaut worden ist, bekamen die Gäste aus Ars und Freihalden demonstriert, wie einst aus einem 500 GrammSilberbarren ein 25 Kilometer langer Silberfaden entstand. Einige Arser und Freihalden erhielten dabei die Aufgabe, das Drehrad der Argue mit ihrer Muskelkraft zu bewegen.    
Das benachbarte kleine Museum am Ufer des durch Trévoux fließenden RhôneNebenflusses Saône gab interessante Einblicke in die Metallfädenproduktion nach Beginn der Industriellen Revolution bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein.
Am Samstagabend stand traditionsgemäß der Festabend auf dem Programm. In dessen Rahmen wurde Joelle Duperray, die vor allen anderen auf Arser Seite in den vergangenen 15 Jahren im Sinne Eugen Roggs gewirkt hatte,  offiziell als PartnerschaftskomiteeVorsitzende verabschiedet und für ihr Engagement und ihre Verdienste um die Freundschaft zwischen Arsern und Freihaldern von beiden Seiten geehrt.
Neue Vorsitzende des Arser Partnerschaftskomitees ist die bisherige Vizepräsidentin, Aline Colas. Sie bestand ihre Feuertaufe mit Bravour.
JettingenScheppachs Bürgermeister, Hans Reichhart, bezeichnete ebenfalls am Festabend, der am 23. Mai stattfand – also just an dem Tag, an dem Konrad Adenauer vor genau 60 Jahren das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verkündet hatte –, die bundesdeutsche Verfassung als „wichtige Voraussetzung“ für die Aussöhnung zwischen Franzosen und Deutschen. Als Erinnerung daran überreichte er seinem Amtskollegen Duvivier einen OriginalNachdruck der Erstausgabe des Grundgesetzes als Gastgeschenk für die Bürgerschaft von Ars.
Nicht weniger freuten sich die Gastgeber über das Präsent, das ihnen Paul Heinle machte. Das Mitglied des ArsKomitees und des Marktgemeinderats schenkte ihnen den Abschnitt des Freihalder Maibaums, in den er im vergangenen Jahr als Willkommensgruß an die am 1. Mai in Freihalden eintreffende Partnerschaftsabordnung aus Ars kunstfertig die Figur des heiligen Pfarrers von Ars geschnitzt hatte. Ars’ heutiger Priester, Antoine Hardy, segnete gut ein Jahr später das Schnitzwerk am Ende der sonntäglichen JumelageMesse in der Arser Basilika. 
Nach der darauffolgenden Enthüllungszeremonie für die „Passage Eugen Rogg“ bildeten Arser und Freihalder ihren Freundschaftskreis und sangen auf Französisch und Deutsch „Nehmt Abschied Brüder“. Es war jedoch wie immer nur ein Abschied auf Zeit, denn in einem Jahr empfängt Freihalden wieder die Freunde aus Ars.
Entsprechend frohgemut, stimmten denn auch die vielen jungen Begegnungsteilnehmer ein letztes Mal auf Arser Boden den Ohrwurm „Yes Beaujolais“ an, der – getextet von Alain Renoux und komponiert von Alain Ragazzi – zum Titelsong des diesjährigen Partnerschaftstreffens avanciert war.

Dankesadressen:
Das ArsKomittee dankt allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der diesjährigen Begegnungsfahrt ganz herzlich. Eine besondere Erwähnung gebührt den vielen Kindern und Jugendlichen, die diesmal mit von der Partie waren.

Ein 54faches „Merci beaucoup“ schicken wir nach Ars zu unseren Freunden, die uns wieder in unbeschreiblicher Herzlichkeit und Gastfreundschaft aufgenommen haben und uns einmal mehr wunderschöne Tage beschert haben.

Dankeschön sagen wir auch der Marktgemeinde JettingenScheppach mit Herrn Bürgermeister Hans Reichhart an der Spitze für ihre organisatorische, finanzielle und ideele Unterstützung.

Unser Dank gilt last but not least dem Jettinger Unternehmen Ludo Fact, das uns gratis Brettspiele und Puzzles als Geschenke für die beiden Kindergärten in Ars zur Verfügung gestellt hat.


Für das Freihalder Ars-Komitee:
Jürgen Bigelmayr